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Mythen und Ammenmärchen

Zusammengestellt von Britta Kull-Brönnimann und Brigitte Benkert; Quellen unbekannt
Brustentzündung (Mastitis) ist ein Grund zum Abstillen

Diese Zeiten sind zum Glück vorbei. Mit Hilfe einer Fachperson und rascher, korrekter Therapie der Brustentzündung kann unter Umständen eine Antibiotikatherapie verhindert werden.

Falls Antibiotika verabreicht werden müssen, ist dies auch kein Abstillgrund.


Dass ich nicht stillen kann, ist vererbt

Stillen ist gelernt, weder vererbt, noch angeboren.


Ein gestilltes Kind wird nicht krank

In der Regel sind gestillte Kinder gesünder. Das heisst aber nicht, dass sie nie krank werden. Die Krankheiten verlaufen dann aber meistens in abgeschwächter Form.


Eine Pause von 2 Stunden muss eingehalten werden, damit die ?alte? Muttermilch sich nicht mit der frischen Muttermilch mischt. Dies kann sonst Bauchschmerzen verursachen

Die Muttermilchpassage durch den Magen findet innerhalb von 1-1 1/2 Stunden statt. Die Magensäure verändert die Muttermilch so, dass keine unverdaute Milch liegen bleiben kann. Künstliche Säuglingsmilchen haben eine längere Magenpassage und brauchen länger bis sie verdaut sind.

Wenn Sie den Eindruck haben dass Ihr Kind nach sehr häufigem Stillen Bauchschmerzen hat, dann könnte eine Ursache sein, dass es nicht an die fetthaltige hintere Muttermilch gekommen ist. Möglich, dass es hilft wenn Sie Ihr Kind länger an der gleichen Brust trinken lassen. Bei Unsicherheiten/Fragen wenden Sie sich an eine Fachperson.

Sofern die Mutter mag und die Brustwarzen es zulassen, darf auch häufiger als 2 stündlich gestillt werden.


Eine stillende Frau darf kein blähendes Gemüse essen, weil sonst das Baby Koliken bekommt

Grundsätzlich sollen stillende Frauen das essen, was sie gewohnt sind und was ihnen schmeckt.

Blähungen sind ein Mystikum und auf die Unreife des Magen-Darm-Traktes zurückzuführen. Nahrungsmittel verursachen selten Blähungen. Wichtig ist es in der Stillzeit, das zu essen, was zur Kultur und zum täglichen Essen gehört. Das was das Ungeborene über das Fruchtwasser schon geniesst, verträgt es in der Regel auch danach.

Bei Unsicherheiten probieren Sie es doch aus, vielleicht nicht 2 blähende Gemüse miteinander, sondern an verschiedenen Tagen. Falls innert 24 Stunden beim Kind nichts passiert, dürfen Sie dieses Produkt weiterhin essen.... wenn das Kind Probleme mit Koliken hat, dann muss die Situation ganzheitlich angeschaut werden.


Flaschenkinder schlafen besser durch als mit Muttermilch ernährte Kinder

Da Schoppenpulver schwerer verdaulich ist, entsteht der Eindruck, dass die Kinder dann länger schlafen. Die Erfahrung zeigt aber dass die Umstellung auf Flaschennahrung oft nicht die gewünschte Veränderung bringt. Das  „Durchschlafen“ ist viel mehr von der Entwicklung/Reife des Gehirns abhängig.


Frauen die stillen, müssen viel trinken

Trinkt eine Frau über das eigene Durstgefühl und ihren Körperbedarf hinaus, wird das Antidiuretische Hormon (ADH) deaktiviert, der Körper schwemmt aus und dies löst einen milchbildungshemmenden Effekt aus.

Es reicht wenn die Frau soviel trinkt wie sie Durst hat, sie darf den Durst aber nicht verdrängen. Falls sie eher wenig trinkt dann kann man sie dazu ermuntern, dass sie bei jeder Mahlzeit von ihr und von dem Baby ein Glas Wasser etc. trinkt.


Gestillte Kinder brauchen keine Vitamin D Prophylaxe

Vitamin D ist in der Muttermilch enthalten, über die Bedeutung wird diskutiert. In sonnenarmen Ländern (Vitamin D3 wird auch durch Sonnenstrahlung in der Haut gebildet) wird eine Vit. D-Prophylaxe während des ersten Lebensjahrs empfohlen.


Jede Frau kann stillen

Es gibt, wenn auch selten, (1-5%) Frauen die zuwenig Milchdrüsengewebe haben. Diese Frauen bilden in der Regel zu wenig Muttermilch. Eine Ultraschall-Untersuchung der Brust macht erst nach dem Abstillen Sinn, da die Brust in inaktivem Zustand besser beurteilt werden kann. Ein Vorteil davon kann sein, dass die Frau beim nächsten Kind darauf vorbereitet ist. Wichtig zu wissen: In jeder Schwangerschaft wächst das Drüsengewebe etwas. Das heisst, dass bei einem nächsten Kind auch eine grössere Milchproduktion möglich ist.


Meine Brüste sind zu klein zum Stillen

Die Grösse der Brüste hat nichts mit dem Milchdrüsengewebe und somit der Milchbildung zu tun. Brustgrösse ist abhängig vom Anteil Fettgewebe in der Brust.


Muttermilch ist am Anfang - fettreicher, nachher wird sie wässriger

Genau das Gegenteil ist der Fall. Muttermilch enthält in allen Muttermilchstadien ausreichend Wasser. Das Kolostrum ist in kleinen Mengen vorhanden, konzentrierter und sieht zähflüssiger aus. Die Übergangsmilch, wie auch die reife Muttermilch sind anfangs der Stillmahlzeit wässriger und werden dann fettreicher. Je mehr Muttermilchmenge gebildet wird und je grösser die Verzehrmengen des Säuglings sind, desto grösser ist der Wasseranteil. Bei der reifen Muttermilch setzen sich 100 ml aus 88% Wasser und 12% festen Bestandteilen zusammen.


Muttermilch ist zu dünn und nicht nahrhaft

Muttermilch ist immer dem Bedürfnis des Kindes angepasst. Sie enthält alles was das Baby braucht und versorgt es ausreichend mit Flüssigkeiten und Nährstoffen.  Der Körper der Frau sorgt zuerst für das Baby. Das heisst, wenn es einen Mangel an Nährstoffen gibt, dann spürt das zuerst die Mutter. Ihre Ressourcen werden angegriffen.

Qualitätsgarant ist das Milchbildungshormon Prolaktin. Bei unterernährten Frauen wird in der Regel ein höherer Prolatkinspiegel nachgewiesen. Das Prolaktin sorgt dafür, dass die Muttermilch eine gleich bleibende Qualität behält.

Frauenmilch kann im Aussehen nicht mit Kuhmilch verglichen werden.


Rivella ist milchbildend

Milchsäure hat nichts mit der Milchbildung beim Mensch zu tun.

In jedem Land gibt es milchbildungssteigernde landesüblich Spezialitäten. Sie haben sicherlich auch eine Wirkung auf die Psyche und somit positiven Einfluss auf die Milchbildung. Ein zuviel ist nicht anzuraten. So wie wir 1-3 Tassen Milchbildungstee zu trinken empfehlen, sollte auch 1 – 2 Gläser Rivella ausreichen.


Schwarztee und Zitronensaft härten die Brustwarzen ab.

Im Gegenteil: Schwarztee enthält eine gerbende Substanz, Zitronensaft Säure. Beide Substanzen zerstören den natürlichen Haut-Schutz-Mantel, tragen die schützende Fettschicht ab und unterstützen so, dass die Brustwarzen empfindlicher werden. Durch diese Irritation können die Brustwarzen anfälliger für Verletzungen sein.


Stillen ist am Anfang immer schmerzhaft

Stillen darf nicht weh tun! Wichtig ist von Anfang an ein korrektes Anlegen. Tatsache ist, dass die Brustwarze sich an die neue Belastung gewöhnen muss, so kann es vorkommen, dass Stillen am Anfang etwas unangenehm ist.

Über 90% der Frauen verspüren in den ersten Tagen einen starken Ansaugschmerz. Mit Zunahme der Milchmenge werden die Schmerzen weniger.

Wichtig ist, nach dem Ansaugschmerz soll das Stillen bei nicht gereizten, intakten Brustwarzen nicht weiter weh tun. Andauernde Schmerzen können ein Hinweis sein, dass das Baby nicht korrekt saugt. Nehmen Sie so früh wie möglich die Hilfe einer Fachperson in Anspruch.


Stillen ist eine gute Verhütung

Stillen kann unter streng und genau einzuhaltenden Regeln und Voraussetzungen den Eisprung verhindern. Allerdings gehört das Stillen nicht zu den sicheren Verhütungsmethoden.

Informationen zu der Lakto-Amenorrhoe-Methode (LAM) bekommen Sie bei Ihrer/-em Stillfachfrau/-mann.


Stillen macht abhängig

Auch während der Stillzeit kann sich die Frau Auszeiten (Ausgang, Coiffeurbesuche etc.) erlauben. Die Muttermilch kann abgepumpt oder manuell gewonnen und mit dem Becher oder Schoppen gegeben werden.


Stillen macht schlaffe Brüste

Die grösste Veränderung der Brust findet in der Schwangerschaft statt. In diesen 9 Monaten entwickelt sich das Drüsengewebe und die Brust wird auf das Produzieren der Milch vorbereitet.

Frauen sollten in der Schwangerschaft einen BH kaufen der mitwächst und einen BH mit festgelegter Körbchengrösse erst nach dem Milcheinschuss.

Eine Frau trägt den BH zum eigenen Komfort und zur Befestigung von Stilleinlagen. Sie muss keinen BH tragen, wenn sie dies nicht möchte.


Stillen verhindert Allergien

Stillen kann Allergien vermindern oder verzögern, verhindert sie aber nicht.


Stillende Frauen nehmen schnell ab

Häufig ist es so, es kann aber auch vorkommen, dass eine Frau während der Stillzeit zunimmt.

Auf keinen Fall sollten Radikal-Diäten gemacht werden, da sich die Schadstoffe, die im Fettgewebe gelagert sind, freisetzen und über die Muttermilch zum Kind gelangen. Eine gesunde, ausgewogene Ernährung ist für Mutter und Kind wichtig.


Um wunde Brustwarzen zu vermeiden sollte am Anfang nur 5 Min. gestillt werden

Die korrekte Stillposition und das korrekte Saugen ist zur Vermeidung von wunden Brustwarzen ausschlaggebend.


Um wunde Brustwarzen zu vermeiden sollten diese in der SS abgehärtet werden (Zahnbürste, frottieren...)

Die Montgomerydrüsen sondern ein Lubrikat ab, dass die Brustwarzen optimal pflegt und vorbereitet. Dieses Lubrikat wirkt sogar hemmend auf Bakterien. Bei zu starkem Reiben, z.B. Mit Frottiertuch, entfernt man diese natürliche Pflege.

Als Unterstützung kann die Mutter, wenn ihr das nicht unangenehm ist, zu Hause ohne BH unter der Kleidung sein. Die Berührung und Reibung mit der Kleidung, sowie die Luft, die an die Brustwarzen kommt genügen als Vorbereitung.


Wenn zum Stillen zugefüttert werden muss, sollte man lieber abstillen

Im Gegenteil man sollte, wenn gewünscht, die Stillfrequenz erhöhen um die Muttermilch Produktion anzukurbeln. Selten können Frauen nicht ausreichend Muttermilch bilden, wenden Sie sich bei Unsicherheiten an eine Fachperson, sie wird Ihnen gerne weiterhelfen.

Mit Sicherheit profitiert das Baby von jedem Tropfen Muttermilch. Muttermilch bzw. Stillen kann und darf mit dem Zufüttern kombiniert werden.


 
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